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  • Sven Wilms

Was ist Data-Literacy?

Data Literacy lässt sich mit dem Begriff Datenkompetenz ins Deutsche übersetzen. Damit könnte es getan sein, ist es aber unseres Erachtens nicht.

Sehr anschaulich wird dies, wenn man sich dem Begriff aus der Übersetzung von "Literacy" nähert: Literacy bedeutet übersetzt "Alphabetisierung" und „Lese- und Schreibkompetenz“. Literacy umfasst aber auch weitergehende Kompetenzen wie zum Beispiel Textverständnis, Sinnverstehen, sprachliche Abstraktionsfähigkeit, Lesefreude, Vertrautheit mit Büchern, Schriftsprache oder sogar Medienkompetenz. Damit umfasst Data-Literacy auch vielmehr als nur die reine Fertigkeit des "Lesens- und Schreibens von Daten":

Data Literacy ist eine grundlegende Kompetenz, um in der digitalen Welt in Wissenschaft, Arbeitswelt und Gesellschaft bestehen und teilhaben zu können. Data Literacy ist die Fähigkeit, planvoll mit Daten umzugehen und sie im jeweiligen Kontext bewusst einsetzen und hinterfragen zu können. Dazu gehört: Daten zu erfassen, erkunden, managen, kuratieren, analysieren, visualisieren, interpretieren, kontextualisieren, beurteilen und anzuwenden. Data Literacy gestaltet die Digitalisierung und unsere Gesellschaft in allen Sektoren und Disziplinen.

Daten waren schon immer wichtig und sind keine Entdeckung der jüngsten Zeit. Neu ist, dass sich heute viel mehr mit Daten machen lässt. Und das hat natürlich Auswirkungen auf die notwendige Datenkompetenz.

Zum besseren Verständnis kann ein Beispiel aus der Vergangenheit dienen: der Buchdruck und seine Auswirkung auf die Lese- und Schreibkompetenz. Selbst vor mehr als eintausend Jahren wussten die Menschen, dass Schreiben einen Wert hat.

Das Problem war jedoch, dass der Zugang zum geschriebenen Wort schwierig war. Jedes einzelne Buch war ein Kunstwerk, für dessen Herstellung Hunderte oder Tausende von Arbeitsstunden erforderlich waren. Aus diesem Grund lernten nur sehr wenige Menschen lesen und schreiben – nicht weil das Erlernen des Alphabets schwieriger war als heute, sondern weil der Prozess der Verbreitung und der Zugang zum geschriebenen Wort unerreichbar waren. Warum sollte damals jemand lesen lernen, wenn er keinen Zugang zu Büchern hatte?

Mit dem Aufkommen des Buchdrucks änderte sich jedoch die Infrastruktur und Technologie rund um das geschriebene Wort. Jeder konnte nun zumindest theoretisch ein Buch erwerben. Je mehr Menschen Zugang zu Büchern hatten, desto mehr stieg auch die Nachfrage nach Bildung, nach der Lese- und Schreibfähigkeit.

Ähnliches geschieht derzeit bei den Daten. In den letzten 50 Jahren war das Auffinden und Verbreiten von Erkenntnissen aus Daten teuer und erforderte Spezialisten: den Datenanalysten. Doch in den letzten fünf bis zehn Jahren hat sich dies geändert. Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Search-Funktionen machen es auch für Nichtfachleute viel einfacher, Zugang zu Daten zu erhalten und mit den Daten zu interagieren. Gleichzeitig hat sich die zugrunde liegende und unterstützende Infrastruktur zur Verbreitung der Daten stark verändert. Es sind diese technologischen Fortschritte im Datenumfeld, die einen besseren Zugriff auf die Daten ermöglichen und zu einer stärkeren Nachfrage nach datenkompetenten Mitarbeitern geführt haben.

Wie lässt sich erfolgreich eine Kultur der Datenkompetenz verankern?

Es sind zwei Dinge, auf die sich Führungskräfte konzentrieren sollten, wenn sie eine Kultur der Datenkompetenz im Unternehmen fördern wollen:

Es braucht Führungskräfte, die aktiv Daten anwenden und damit zum Vorbild werden, sowie Mitarbeiter, die den Wert von datengesteuerten Erkenntnissen im Unternehmen verbreiten.

Am wichtigsten ist jedoch, Datenkompetenz nicht als IT-Herausforderung zu betrachten, sondern als eine Aufgabe der Geschäftsbereiche. Dank KI und anderen neuen Technologien fallen die meisten IT-Barrieren für eine Interaktion mit Daten weg und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich auf der Basis von Daten richtige Entscheidungen zu treffen. Datenkompetenz ist also eine kritische Geschäftsanforderung. Genauso wie jeder Zweite heute im Beruf auf Fremdsprachen angewiesen ist, gehört die Datenkompetenz zu den Arbeitsanforderungen von morgen. Nein: von Heute. Und damit sind wir wieder am Anfang unseres Newsletters: Datenkompetenz ist eine notwendige Kompetenz wie das Lesen und Schreiben.

Nun werden Sie zu Recht anmerken: in der obigen Definition von Data Literacy wurde erwähnt, dass sie über die reine Lese- und Schreibkompetenz hinausgeht, dass darüber hinausgehenden Aspekte wie zum Beispiel: "Wie wollen wir mit Daten umgehen?", "Haben wir eine digitale Ethik?" auch beleuchtet werden sollten. Da haben Sie vollkommen Recht! In einem Blog im zweiten Quartal werden wir uns dem Thema "Digitale Ethik" widmen und im

Herbst werden wir das ebenso innovative Thema der Maschinenethik ansprechen. Ich hoffe, Sie freuen sich darauf!

Data-Literacy wird auch ein wichtiges Thema auf unserem Online-Zukunftsforum am 04. - 06. März sein. Viele weitere interessante Vorträge über KI-und VR-Anwendungen warten auf Sie.



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