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  • Sven Wilms

Digitale Ethik - Wir bestimmen den Weg

Die Digitalisierung prägt immer mehr Bereiche des Lebens. Eine digitale Ethik kann als Navigationsinstrument und Werte-Kompass dienen und dabei helfen, die Digitalisierung für ein gelungenes Leben zu nutzen. Sie sucht nach ange-messenen und legitimen Haltungen und Handlungsweisen für zunehmend digitalisierte Lebensumwelten und allgemein für das Leben in der Digitalität. Wir Menschen sollen dazu befähigt werden, Probleme der Digitalität zu erkennen und Lösungen zu entwickeln bzw. vorwegzunehmen. Oder auch nur die Dilemmata bzw. Unauflösbarkeit von Widersprüchen zu erkennen, die manche Handlungen mit sich bringen können.


Technologien sind für sich genommen weder gut noch schlecht. Es kommt darauf an, wie sie verwendet werden. Für die Digitale Ethik gibt es sehr viele verschiedene Ansatzpunkte: Privatheit und Datenschutz, Digitale Daten: Sicherheit oder Kontrolle? Wie verändert sich unser Selbstbildnis im "Always-On"?, Haftung im digitalen Zeitalter, Ethik von Kriegs-, Pflege- und Sexrobotern, Künstliche Intelligenz: Erklärbarkeit der Entscheidungen und Unvoreingenommenheit, Ethische Leitlinien für Unternehmen und und und...Aufgrund der Vielfalt der unterschiedlichen Aspekte der Digitalen Ethik können wir wir uns in dieser Ausgabe nur zwei Aspekten widmen: dem der Transparenz und der Online-Preisfindung:


Automatisierte Interaktion benötigt Transparenz:

Ein zunehmend wichtiger digitaler Anwendungsfall ist die Nutzung von Chatbots. Chatbots bieten viele Vorteile: sie sind immer verfügbar, arbeiten schnell und auf stets gleichbleibendem Qualitätsniveau und sichern eine konstante Höflichkeit. Oft geben sie sogar verlässlichere Auskünfte. Es ist daher abzusehen, dass sie mit der fortschreitenden Etablierung dieser Technologie Chatbots an Beliebtheit bei den Nutzern gewinnen. Entscheidend für die ethische Korrektheit ist hier allerdings, dass jederzeit Transparenz darüber herrscht, ob mit einem Menschen oder mit einer Maschine kommuniziert wird. Deshalb empfehlen wir jedem Kunden von uns, deutlich zu machen, dass es sich um einen virtuellen Assistenten handelt und wann genau die Übergabe an einen Menschen im Live-Chat erfolgt.


Personifizierung von Online-Diensten:

Ob beim Online-Handel oder in der Versicherungsbranche –die Tendenz ist gleich: Immer mehr Angebote werden individualisiert. Während das klassische Marktprinzip von dem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage ausging, wird in der Online-Welt zunehmend zur individualisierten Preisbildung übergegangen. So könnte beispielsweise demnächst nicht mehr die allgemeine Nachfrage nach einem Buch seinen Preis bestimmen, sondern das Surf-Verhalten des Nutzers –seine bisherigen Einkäufe, die Marke seiner Hardware oder gar der aus dem Facebook-Profil errechnete „soziale Status“. Dasselbe gilt auch für die Errechnung der Kreditwürdigkeit oder des Risikoprofils eines Nutzers. Die Individualisierung der Preisbildung stellt dabei die Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit neu. Einerseits könnte es als „gerecht“ erscheinen, wenn ein schlechter verdienender Mensch einen niedrigeren Preis als sein wohlhabender Nachbar zahlt. Andererseits kann man sich aber auch fragen, ob es „gerecht" sein kann, wenn die Preisbildung an die individuelle Lebensführung angepasst wird. Auch das Solidarprinzip als einer der wichtigsten sozialen Errungenschaften des industriellen Zeitalters wird durch die Personifizierung zunehmend in Frage gestellt. Diese Entwicklung lässt die ethische Frage aufkommen, was in der digitalen Welt noch als „gerecht“ gelten kann.


Abschließend kann angemerkt werden, dass viele ethische Fragen, die uns im Gewand der Digitalisierung neu erscheinen, in Wirklichkeit nicht wirklich neu sind. So stellt beispielsweise das mittlerweile sehr berühmte Dilemmata, ob ein vernetztes Auto im Notfall einen Rentner oder ein Kind zu überfahren habe, keineswegs ein neues Phänomen dar, das erst im Zusammenhang mit dem automatisierten Fahren diskutiert wird. Im Grunde handelt es sich um eine mehr als 2500 Jahre alte Fragestellung, die u.a. unter dem Namen „Schiffbrüchigen-Dilemma“ die Menschheit seit Generationen zum Nachdenken anregt. Und auch die Fragen nach dem Verhältnis Mensch-Maschine kennen wir bereits seit den Anfängen der Industrialisierung. Bei ethischen Diskursen lohnt es sich daher oft, sich auch nach den Analogien umzuschauen, die bereits seit Langem als ethisches Problem diskutiert werden. Und es lohnt sich insgesamt, sich als Person und als Gesellschaft, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Nein: es ist sogar notwendig!


Wenn Sie sich hiermit beschäftigen möchten, kann dies für Sie von Intersse sein:

Aufzeichnung des Vortrags "KI und Moral - (un)vereinbar?", Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) von unserem Online-Zukunftsforum am 05. März 2020, Dauer ca. 45 min. Bei Interesse einfach melden!



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