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  • Sven Wilms

Auswirkungen der Digitalisierung für Technische Redakteure

Mit der Digitalisierung ändern sich Produkte, Geschäftsmodelle, Wertschöpfungsketten, Kundenverhalten und Arbeitswelt. Das verändert auch die Arbeit der Technischen Redakteure radikal.


Dank digital gesteuerter Fertigung werden Produkte in vielen Varianten hergestellt, bis hin zur Einzelfertigung. Darüber hinaus werden Produkte zunehmend smarter und vernetzter: Zusätzlich zu den mechanischen und elektrischen Komponenten erhalten sie eine Kommunikations- und Softwareausstattung für digitale Aufgaben:


  • Kommunikation der Werkstücke und Produkte entlang der Wertschöpfungskette, z.B. mit Fertigungs- und Logistiksystemen

  • Sammlung von Daten über die Nutzung und Konfiguration des Produkts. Der Hersteller kann diese Daten aggregieren, auswerten und so die Nutzung und Lebensdauer von Produkten optimieren sowie Zusatznutzen im Service erzielen. Ein typisches Beispiel ist die vorbeugende Wartung.

  • Kommunikation von Produkten untereinander, z.B. zur Steuerung von Fertigungsabläufen (Maschine-zu-Maschine-Kommunikation)

  • Kommunikation mit dem Anwender zur Optimierung der Nutzung, der individuellen Konfiguration der Produkteigenschaften oder Vernetzung von Systemen. Typische Anwendungen sind Smart-Home-Systeme.

  • Maschinen und Anlagen erhalten einen sog. digitalen Zwilling, der alle Informationen zu Variante, Konfiguration, Sensorwerten, Wartung usw. enthält. Zum Zwilling gehören auch digitale Nutzungsinformationen wie Bedienungs- und Wartungsanleitung oder Datenblätter.

  • Smarte Produkte erfordern eine smarte Dokumentation in Form von intelligenten Informationen. Statt traditioneller Handbücher werden für die Anwender und die digitalen Zwillinge digitale Nutzungsinformationen ausgeliefert.

Für die neuen Anwendungsszenarien wie Produkt-Individualisierung und vorbeugende Wartung benötigen wir neue, standardisierte Informationsarten und modularisierte Texte, die Anwender oder Applikation je nach Bedarf für das entsprechende Szenario aufrufen oder unterstützend angeboten bekommen. Beispiele sind Tutorials für die Einrichtung eines Smart-Homes oder Wartungsanleitungen, die aufgrund eines gemessenen Betriebszustandes an den Servicetechniker übermittelt werden.


Daher sollten wir Technische Dokumentation lösungsorientiert und aufgabenbasiert für verschiedene Zielgruppen aufbauen. Neben der Standardisierung der Informationsarten, z.B. Anleitung und Problemlösung, erfordert das auch, dass sich Technische Redakteure stärker mit ihren Zielgruppen auseinandersetzen und Usability-Methoden wie Personas und Customer-Journeys verwenden. Rückmeldungen aus dem Feld, z.B. von Servicetechnikern, müssen schneller in die Dokumentation zurückfließen. Schnellere Änderungszyklen und eine kontinuierliche Aktualisierung und Auslieferung der digitalen Nutzungsinformationen sind die logische Konsequenz.


Auch wenn smarte Produkte leichter zu bedienen sind, bedeutet das nicht das Ende der Dokumentation, denn technische Systeme werden durch die Digitalisierung auch komplexer. Abgesehen von den rechtlichen Anforderungen wird nach wie vor Dokumentation gebraucht – vielleicht nicht für die einfachen Standardfälle, aber zum Verstehen komplexer Architekturen und Datenflüsse sowie zum Beheben von Störungen. Es ist also möglich, dass die Dokumentation weniger Handlungsanweisungen enthält, aber dafür mehr Konzepte, Hilfestellung zu Fehlerbehebung und Hintergrundwissen.


Trotz steigender Variantenvielfalt nimmt die Bereitschaft der Anwender ab, in der Dokumentation nach der passenden Information für die aktuelle Produkt- und Konfigurationsvariante zu suchen. Bei der Auslieferung der Nutzungsinformationen an eine Maschine oder Anlage muss die Variante explizit und maschinenlesbar ausgezeichnet sein, damit die richtige Information für die Anfrage geliefert werden kann.


Durch die neuen Nutzungsszenarien und die höhere Variantenvielfalt wird die Menge an benötigter Dokumentation eher größer. Was sich verringert, ist die Größe der Informationsmodule – diese werden viel feingranularer, damit sie für verschiedene Varianten und Zwecke wiederverwendet werden können. Gleichzeitig muss jedes Modul eine klare Informationsart haben und mit Metadaten angereichert sein, damit Verwendungszweck und Produktvariante automatisch auswertbar sind.



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